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Evaluation des Info Zentrums des Nationalparks Kellerwald - Edersee

"Urige Wälder auf Bergkuppen und in Schluchten, Felsen und Blockhalden, naturnahe Quellen und Bäche sowie ruhige Wiesentäler und Waldwiesen bilden den Naturschatz des Nationalparks. Hier, auf einer Fläche von 57 km2, ist einer der größten zusammenhängenden Buchenwälder Europas geschützt. Natur darf Natur sein, die Laubwälder werden nicht mehr genutzt. Hier entsteht 'Wildnis von morgen' ". So wird der relativ junge, seit 2003 existierende Nationalpark auf der Website des Nationalparkamts vorgestellt. In diesem einzigen hessischen Nationalpark ist - zusätzlich zu den bestehenden Publikumseinrichtungen - am Jahresbeginn 2008 ein großes Informationszentrum eröffnet worden. Das Zentrum befindet sich in einem architektonisch ambitionierten Neubau (s. Abb. unten). In diesem Zentrum soll mit einer betont populären und vom Design her attraktiven Ausstellung beim breiten Publikum Interesse für den Naturrraum geweckt und zum näheren Kennenlernen des Nationalparks animiert werden.

Die Ausstellung unter dem Titel "BaumTraum - die Elemente sind frei" ist in drei große Bereich gegliedert: Im ersten Bereich werden in vier inszenierten Räumen die Urschätze der Wildnis vorgestellt: Ein Feenhügel bringt die Besucher/innen in einen ersten Kontakt mit den Urkräften der Wildnis der Buchenurwälder, es folgen die Räume Quellen und Bäche, Felsen und Schluchten und Urwald, die eine ganzheitliche Einstimmung in das Thema "Wildnis" vermitteln. Der zweite, größte Teil der Ausstellung trägt die Bezeichnung "WaldWerk". In diesem Raum werden die Besucher/innen mit acht, z.T. sehr überraschenden und ungewöhnlichen Exponaten konfrontiert, die mit dem Einsatz modernster elektronischer Medien Entdeckungsreisen in den Nationalpark erlauben.Im Zentrum des Ausstellungshauses liegt ein Kinosaal, in dem die Besucher/innen ein "Sinnenkino" erleben können. In dem dort gezeigten 4D - Film (!) wird eine Familie auf ihrem erlebnisreichen Weg in die Buchenwälder des Nationalparks begleitet.

Foto: Förderverein für den Nationalpark Kellerwald - Edersee

Foto: Ausbauzustand des neuen Info-Zentrums im Jahre 2007 (Foto von der Website des Nationalparks)


Gestaltung und Evaluation

Die Ausstellung wurde konzipiert und wird realisiert von der österreichischen Medienfirma KRAFTWERK LIVING TECHNOLOGIES (Wels). Die AfeB hat den Auftrag übernommmen, die Entstehung dieser ungewöhnlichen Ausstellung durch formative Evaluation zu begleiten. Noch während des Aufbauprozesses sollen empirische Daten erhoben werden, die Auskünfte über die praktische Besucherorientierung des gewählten Konzepts liefern. Entsprechend diesem Ansatz werden die Erhebungsergebnisse noch während des Aufbaus an das Aufbauteam des Info - Zentrum rückvermittelt

Eingesetzte Erhebungsinstrumente

Es wird ein Set von Erhebungsinstrumenten eingesetzt, die drei unterschiedlichen formativen Evaluationszielen dienen:

  • Einbeziehung von Erfahrungen anderer, bereits existierender Info - Zentren in Großschutzgebieten. Dabei geht es v.a. darum, welche praktischen Aspekte bei der Realisierung des oben skizzierten innovativen Ausstellungskonzepts zu berücksichtigen sind. Methodisch werden diese Erfahrungen mit dem Instrument der themenzentrierten Focusdiskussion erhoben.
  • Vorab - Erprobung besonders attraktiver und für die Ausstellung relevanter Exponate. Ein solches Exponat ist der sogenannte "Schatzspeicher", der von Testbesuchern/innen noch in den Räumen der Ausstellungsfirma erprobt wird. Dazu kommen Beobachtungsverfahren und kurze Fragebögen zum Ausfüllen durch die Testbesucher zum Einsatz.
  • Evaluation der Nutzung der gesamten Ausstellung im Kontext. Zur Einlösung dieses Evaluationsziels wird die Nutzung der Ausstellung durch Testbesucher/innen unmittelbar vor Eröffnung erprobt. Auch hier kommen wieder verschiedene Beobachtungs- und Befragungsmethoden zum Einsatz. Als Ergebnis dieser Evaluation können evtl. Nutzungs- und Verständnisprobleme sofort, noch vor dem Beginn des offiziellen Publikumsbetriebs, behoben werden.

Projektbeteiligte

Die Evaluationsarbeiten (Evaluation des "Schatzspeichers") wurden unterstützt durch Ulrike Lüneburger und Ellen Weinhold (Institut für allgemeine Pädagogik, Humboldtuniversität Berlin). Die Evaluation der Nutzung der gesamten Ausstellung erfolgt unter Mitarbeit von Studierenden des Instituts der Didaktik der Biologie an der Universität Kassel , mit freundlicher Unterstützung durch Dr. Arnim Lude.

 

Acht Tipps für die formative Evaluation von Naturschutzausstellungen
Ergebnisse der AfeB von der Evaluation des Nationalparkzentrum Kellerwald-Edersee (Auszug)
Acht Tipps für formative Evaluation von
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Hinweise zu den Serviceleistungen der AfeB bei Nutzer- und Besucherbefragungen
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