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Evaluation des 'Multimar Wattforums', Tönning

Teil 2: Schwerpunkte der Evaluation

Schwerpunkt 1: Die Besucherinnen und Besucher des Multimars


Besucherorientierung bedeutet für ein Umwelt -Ausstellungszentrums wie das Multimar zunächst einmal, das reale Publikum besser kennen zu lernen. Erst vor dem Hintergrund empirisch fundierter Kenntnisse sind weiterführende Planungen sinnvoll. Im einzelnen ist daher zu fragen:

* Wie ist das Publikum zusammen gesetzt (soziodemographische Daten)?
* Wer kommt/ wer wird (noch) nicht erreicht?
* Wie groß ist der Anteil von Zielgruppen, die für das Konzept der Einrichtung besonders wichtig sind (Familien, Einheimische, Touristen)?
* Welche Ansprachewege erreichen welche Personen?
* Gibt es relevante saisonale Unterschiede (Feriensaison/ nicht-Feriensaison)

* Mit welchen Vorkenntnissen und Vorerfahrungen bezüglich des behandelten Naturraums ist zu rechnen? Haben sich die Befragten schon an anderer Stelle informiert oder ist dies ihr erster Einstieg in das Thema ‚Wattenmeer‘?
* Mit welchen Erwartungen betreten die Besucher/innen das Haus?
* Wie nutzen Sie das Multimar (gibt es Interessenschwerpunkte, wie lange bleiben sie)?
* Beurteilung des Besuchs im Multimar insgesamt: Auf welche Faktoren ist eine positive/ negative Bewertung zurück zu führen?

* Welche Kritikpunkte und Anregungen gibt es? Was stört, was hat gefehlt?

 

Schwerpunkt 2: Die Ausstellung und die Aquarien

 

Die Ausstellung und die Aquarien sind das Herzstück im Konzept des Multimars. Beide Teile sollen vom Publikum beim Besuch erschlossen werden, wobei bestimmte explizite und implizite Vorstellungen existieren, wie sie jeweils genutzt werden. Diese Annahmen sollen überprüft werden. Es geht in diesem Schwerpunkt also um im engeren Sinne evaluative Fragestellungen, und zwar:

  • Wird die inhaltliche Struktur der Ausstellung praktisch nachvollzogen (Skulptur-Thermenbücher-Aquarien-Vertiefungsebenen)?
  • Wie geht das Publikum mit den Innovationen in der Ausstellung des Multimars um? Werden die Themenbücher so genutzt wie vom Konzept vorgesehen? Werden alle Themenbücher genutzt oder bilden sich Schwerpunkte? Was bedeutet das für die inhaltlich-thematische Vermittlung?
  • Wieweit greift dass Konzept der Themenbücher noch bei hohem Publikumsaufkommen? Bleibt den Besuchern/innen noch genügend Raum/ Zeit sich mit den Angeboten auseinander zu setzen?
  • Von wem werden interaktive Ausstellungsteile genutzt: Nur von einer Minderheit, nur von Kindern und Jugendlichen oder auch von der Mehrheit des (erwachsenen) Publikums?
  • Werden die verschiedenen Computerinformationsprogramme („Meeressäuger", GIS-Rechner, Monitore an verschiedenen Themenbüchern) tatsächlich zur Vertiefung von Informationen genutzt? Welche Themen/ Inhalte werden abgerufen? Wie weit wird die zur Verfügung stehende Breite/ Tiefe der Informationen tatsächlich wahrgenommen?
  • Wie weit werden die Aquarien und großen Becken (Tidenbecken, Brandungszone) vom Publikum genutzt? Welchen Stellenwert haben sie gegenüber den anderen Ausstellungsteilen? Gibt es eine Konkurrenz zwischen Aquarien/ Becken und anderen Ausstellungsmedien? Wie verteilt sich die Nutzungszeit?
  • Wird die inhaltliche Struktur der Aquarien (Lebensraum-Konzept) von den Besuchern/innen nachvollzogen?

Schwerpunkt 3: Wirkung und Resonanz

 

Zentrale Frage für die Bewertung des Multimars ist, welche Wirkungen von ihm ausgehen, vor allem unter dem Aspekt von Umweltbildung und Umweltlernen. Dabei ist über den Einzelfall des Multimars hinaus von Interesse, ob ein solches breitenwirksames Ausstellungszentrum überhaupt einen Stellenwert für die Umweltbildung der Bevölkerung haben kann bzw. wo dieser Stellenwert liegt. Ein für das Konzept des Multimars besonders wichtiger Punkt ist, in welchem Verhältnis der Freizeit bzw. Unterhaltungswert und der Bildungswert zueinander stehen: Wird das Multimar hauptsächlich als attraktives Ausflugsziel genutzt oder gibt es von Seiten der Besucher/innen auch andere Motive? Im einzelnen haben wir daher gefragt:

  • Wie weit vermittelt das Multimar (neue) Kenntnisse und Einstellungen gegenüber dem Wattenmeer, seinem Schutz (Nationalpark) und seinen Bedrohungen?
  • Werden hauptsächlich Kenntnisse über bestimmte Lebensformen (z.B. über die Tarnung der Scholle am Meeresgrund) oder auch Einblicke in Zusammenhänge (z.B. über den Artenreichtum im Wattenmeer) vermittelt?
  • Wie weit eignen sich die verschiedenen Informationsmedien in der Ausstellung zur Vermittlung von Kenntnissen und Einstellungen?
  • Welche Funktion haben in diesem Zusammenhang die Themenbücher und die unterschiedlichen Medien, die darauf zu finden sind (Text, Fotos, bedienbare Elemente, Monitore, Spiele)?
  • Wie weit vermittelt das Multimar darüber hinaus allgemeinere Kenntnisse und Einstellungen (Umweltbewußtsein/ umweltgerechtes Verhalten)? Gibt es Unterschiede bei einzelnen Zielgruppen (Kinder/ Erwachsene, Familien, Personen mit/ ohne ausgeprägtes Umweltbewußtsein/ Umweltwissen)?
  • Liegt die Wirkung mehr im kognitiven oder im affektiven Bereich? In welchem Verhältnis steht die Vermittlung von Kenntnissen zur Vermittlung von Einstellungen, Deutungen und gefühlsmäßigen Haltungen?
  • Wie dauerhaft sind die erworbenen Kenntnisse und Einstellungen? Was bleibt vor allem haften?
  • In welchem Verhältnis steht die Nutzung als Freizeit- und als Bildungseinrichtung? Wo setzen die Besucher/innen den Schwerpunkt?

Schwerpunkt 4: Das Umfeld


Eine Einrichtung wie das Multimar steht auf unterschiedliche Weise in Beziehungen und im Austausch mit seinem Umfeld. Dabei ist es für eine neu entstandene Einrichtung besonders wichtig zu wissen, welchen Platz sie in diesem Umfeld einnimmt, welche „Leerstellen" sie ausfüllt, wie weit sie akzeptiert wird, wo (potentielle) Kooperationspartner sind oder wo evtl. mit Widerständen zu rechnen ist. Im einzeln geht es folgende Fragen:

  • Wie bekannt ist das Multimar in der Region? Wo gibt es Informationslücken? Wo findet es besondere Akzeptanz, wo gibt es Akzeptanzprobleme, auf Grund welcher Faktoren?
  • Welche Kenntnisse und welches Bild vom Multimar existieren? Was erwarten Personen, die noch nicht im Multimar waren, von einem Besuch?
  • Wie gut ist das Multimar im regionalen Tourismus verankert? Wird es von den Tourismusverantwortlichen akzeptiert? Welche besonderen Vorzüge verbindet dieser Personenkreis mit dem Multimar? Wo existieren Vorbehalte? Wie wird das Multimar im Spannungsfeld von Naturschutz und Tourismus verortet? Welche Rolle/ Position wird ihm zugeschrieben?
  • Welche Stellung hat das Multimar gegenüber anderen Naturschutzeinrichtungen, Naturschutzverbänden und anderen Institutionen der Umweltbildung an der Westküste Schleswig-Holsteins? Wird das Multimar vor allem als Ergänzung der eigenen Arbeit bewertet oder eher als Konkurrenz? Wieweit werden Ansätze für ein regionales Netzwerks von Naturschutz- und Umweltbildungseinrichtungen erkennbar?
  • Wie wird das Multimar durch die Schulen der Umgebung genutzt? Dient es hauptsächlich als Ausflugsziel oder aber wird der Besuch im Multimar auch in schulische Angebote integriert (Lehrplanbezug)? Welchen Stellenwert hat das Multimar für schulische Umweltbildung bzw. könnte es haben?

Fotos (1-3): www.myfriesenanzeiger.de , Foto 4: http://www.1golf.eu/golffuehrer/schleswig-holstein-und-hamburg/

Hier geht es zu den eingesetzten Erhebungsinstrumenten und einer Zusammenfassung der wichtigsten Evaluationsergebnisse.

Hinweise zu den Serviceleistungen der AfeB bei Nutzer- und Besucherbefragungen
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