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Nicht-Besucher-Befragungen online

Entwicklungs- und Erprobungsprojekt zu den methodischen Möglichkeiten von online durchgeführten Nicht-Besucher-Befragungen

Nicht-Besucherbefragungen haben Konjunktur: Viele Museen und Ausstellungseinrichtungen stehen inzwischen unter einem hohen Legitimationsdruck, der sie nach Wegen suchen läßt, ihr Publikumspotential zu erweitern. Dabei rückt wieder die Überlegung in den Vordergrund, dass in einer Region oder einer Stadt der größere Teil der Bevölkerung die Kultureinrichtungen nicht nutzt (je nach Quelle zwischen 80% und 95% der Bevölkerung!). Museen wollen daher wissen, welche Gruppen, die potentiell Interesse haben könnten, sie in der Realität nicht erreichen. Ferner, was die relevanten Hinderungsgründe sind, die bislang einen Besuch verhindern.

 

Nicht-Besucherbefragungen operieren jedoch auf ganz anderer Basis als Besucherbefragungen: Während bei einer Besucherbefragung klar ist, wer befragt wird und vor allem, wo man diese Personen erreicht (meist: am Ausgang des Museums), ist die Situation bei einer Nicht-Besucherbefragung völlig anders. Erstens ist die Zielgruppe sehr diffus, zweitens ist es außerordentlich schwer, überhaupt Orte zu finden, an denen die relevante Zielgruppe erreicht werden kann. Daher schlagen wir vor, sich für Nicht-Besucherbefragungen von der klassischen "Papier-Befragung" per Fragebögen zu lösen und verstärkt Online-Befragungen einzusetzen.

 

Zentrales Anliegen einer Nicht-Besucherbefragung ist, den Online-Fragebogen an möglichst viele Personen per Link weiter zu geben, die zur anvisierten Zielgruppe gehören. Das sind Personen, die bislang noch nicht/ nicht mehr zum Klientel der ausgewählten drei Museen gehören, jedoch verschiedene Voraussetzungen mitbringen, die einen zukünftigen Besuch denkbar machen.Die eigentliche Herausforderung der vorgeschlagenen Online-Befragung und auch bei einer evtl. durchaus sinnvollen ergänzenden Erhebung durch Papier-Fragebögen, liegt bei der Gewinnung der Stichprobe. Nach unserer Einschätzung gibt es verschiedene Wege, auf denen die gewünschte Zielgruppe angesprochen werden kann.

Wichtigste Entwicklungsaufgabe: Zielgruppenansprache für die Online-Befragung

Teil eines Online-Fragebogens der AfeB
Teil eines Online-Fragebogens der AfeB

· Wichtig sind die beim Museum selbst vorhandenen Verteiler, über die bisher schon Newsletter etc. per Mail versandt werden. Diese können auch für die Verbreitung des Online-Fragebogens genutzt werden.

· Die Erhebungen der AfeB haben gezeigt, dass auch Besucher/innen anderer Museen der Region oder durchaus auch überregional zum potentiellen Publikum eines Museums gehören, dieses jedoch aus verschiedenen Gründen noch nicht aufgesucht haben. Die Frage ist, wie weit es möglich und zulässig ist, auch die Verteiler anderer befreundeter Museumseinrichtungen für die Online-Befragung zu nutzen.

· Das Gleiche gilt für die Verteiler, die im Zusammenhang mit übergreifenden Kulturprogrammen (Jazzfestivals, Filmtage, Kulturhauptstadt Europas 2010 etc.) gesammelt worden sind. Man sollte daher versuchen, entsprechende Kontakte herzustellen und die Möglichkeit prüfen, auch diese Verteiler zu nutzen.

· Wenn auch touristisches Publikum in die Online-Befragung mit einbezogen werden soll, wäre es denkbar, auf entsprechende Verteiler zurück zu greifen. Alternativ dazu besteht die Möglichkeit, an stark touristisch genutzten Orten im Umfeld der teilnehmenden Museen entsprechende Flyer zu verteilen, die zu einer Beteiligung an der Online-Umfrage einladen (über Link oder QR-Code, s.u.).

· Außerdem besteht die Möglichkeit, an bestimmten interessanten Orten Flyer zu verteilen, an denen die gewünschte Zielgruppe angetroffen und an denen für die Teilnahme an der Online-Befragung geworben wird (am Ausgang von Live-Konzerten, Programmkinos etc.); oder Flyer können als Beilage in Programmheften etc. beigelegt werden. Voraussetzung wäre ein entsprechend attraktiv gemachtes Design des Flyers und eine leicht eingebbare Webadresse/ Mailadresse, auf der man zur Befragung kommt. Für Nutzer von Smartphones und Netbooks wird ein quadratischer QR-Strichcode abgebildet, mit dem die Online-Befragung direkt aufgerufen wird. Damit wird v.a. eine jüngere, technikinteressierte Zielgruppe erreicht.

· Eine begleitende Verlosung mit – für die Zielgruppe!! – entsprechend attraktiven Gewinnen könnte die Bereitschaft zur Teilnahme verbessern. Dies gilt für die Online-Befragung und für die Befragung per Papier-Fragebogen.

 

Das Projekt "Nicht-Besucherbefragungen online" wird von der AfeB im Jahr 2013 gestartet. Zu Beginn laufen konzeptionelle Arbeiten und Recherche. In der zweiten Jahreshälfte sind Erprobungen geplant. Ergebnisse sind Anfang 2014 zu erwarten. Eine Zusammenfassung der Ergebnisse wird hier auf der Website der AfeB veröffentlicht.

 

Praxispartner gesucht!

Für die Erprobung unseres Ansatzes einer Online - Nichtbesucher-Befragung suchen wir noch Museen und andere Ausstellungseinrichtungen als Praxispartner. Voraussetzung ist ein Interesse an der Klärung von Besucher- und Nicht-Besucherpotentialen der Institution. Wichtig wäre das Vorhandensein von Mail-Datenbanken, um die Verteilung der Online-Befragung zu erleichtern. Interessant wäre auch, die Nicht-Besucherbefragung als Facebook-Befragung durchzuführen, wenn das Museum einen Facebook-Auftritt hat.

 

Im Folgenden werden einige frei im Internet zugängliche Materialien zum Thema Nicht-Besucherbefragung vorgestellt und zum Download angeboten. Wir danken den Autoren und den beteiligten Einrichtungen, dass sie diese Dokumente für die Fachdiskussion und weitere Entwicklung der Praxis zur Verfügung gestellt haben. Sollten die unten genannten Auoren/ Institutionen nicht mit der Nutzung ihrer Texte auf dieser Website einverstanden sein, bitten wir um Nachricht. Der Download wird dann sofort entfernt.

Informationsdrucksache Nr. 1456/2012/ Stadt Hannover, Reichweitenuntersuchung / Nichtbesucherstudie für neun Museen / Ausstellungshäuser im Stadtgebiet Hannovers (2012)
Erstmals wurde eine solche Untersuchung für Hannover überhaupt durchgeführt. Ziel war es,
Kriterien für eine Attraktivitätssteigerung der untersuchten Häuser zu erlangen. Die Studie
bezog sich auf folgende neun Museen und Ausstellungshäuser:
Niedersächsisches Landesmuseum Hannover, Sprengel Museum Hannover, Wilhelm-Busch-
Museum, Historisches Museum Hannover, Museum August Kestner, kestnergesellschaft,
Kunstverein Hannover, Theatermuseum Hannover, Städtische Galerie Kubus.
Nichtbesucherbefragung_Hannover.pdf
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markt . forschung . kultur - Arbeitsgruppe an der Hochschule Bremen, Untersuchung von Fast- und Nichtbesuchern. Praxisberichte aus Bremen und Hamburg
Projekte für das Überseemuseum Bremen (2009) und die Stiftung Hist. Museen Hamburg (2010)
Nichtbesucher_Bremen_Hamburg.pdf
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Julia Hafer, Analyse der touristischen Vermarktung des Landschaftspark Duisburg Nord mit Handlungsempfehlungen für eine verbesserte touristische Inwertsetzung
Diplomarbeit (nur Auszug Kapitel "Nicht-Besucher"), 2005. 115 S.
Nichtbesucher_Landschaftspark Duisburg N
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Landschaftsverband Süd-Niedersachsen e.V., Kulturforschung Südniedersachsen, Stand: 02.08.2011
Die vom Landschaftsverband regelmäßig geförderten Kultureinrichtungen haben zwar durch langjährige Erfahrung eine Vorstellung davon, wer ihr Publikum ist, ihre Besucher sind. Belast- und überprüfbare Erkenntnisse dazu lagen jedoch nicht vor. Gesichertes Wissen hierzu ist jedoch für die interessierten Kultureinrichtungen sehr wichtig, um ihre Programmplanung, Werbung und Öffentlichkeitsarbeit zu verbessern.
Nichtbesucher_Südniedersachsen.pdf
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Auswertung und Analyse der repräsentativen Befragung von Nichtbesuchern deutscher Theater
Eine Studie im Auftrag des Deutschen Bühnenvereins (2003)
Nichtbesucherr_Bühnenverein.pdf
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THOMAS RENZ, BIRGIT MANDEL, BARRIEREN DER NUTZUNG KULTURELLER EINRICHTUNGEN EINE QUALITATIVE ANNÄHERUNG AN NICHT-BESUCHER
UNIVERSITÄT HILDESHEIM, Institut für Kulturpolitik, 2010
Nichtbesucher_Uni_Hildesheim Barrieren.p
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Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur, Sektion IV, Wien, Evaluierung der österreichischen Bundesmuseen
Bevölkerungsumfrage, Besucher/innenbefragung, Experten/innenrating (ohne Jahreszahl)
Nichtbesucher_evaluierung_bundesmuseen.p
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Anfrage: Sollten bei Ihnen Erfahrungen mit Nicht-Besucher-Befragungen vorliegen, würden wir uns über einen Hinweis freuen. Besonders nützlich wäre, wenn Ihr Projektkonzept und/ oder Ergebnisse eigener Erhebungen hier zur Verfügung gestellt werden könnten. Danke!