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Der Modellversuch "Begegnung mit dem Fremden" (Teil 3)

Ergebnisse und Erfahrungen

Vor der Auswertung der Projekte im Modellversuch stand die Dokumentation der außerordentlich vielfarbigen und vielschichtigen Praxis. Was in den Projekten passierte und welche optisch - ästhetische, kommunikative und auch politische Wirkung sie hatten, war durch Protokolle oft nur begrenzt festzuhalten. Fotographische Dokumentation spielte daher eine wichtige Rolle. Hier: Die Fotografin der Städtischen Kunsthalle Mannheim "im Einsatz" beim Sommerferienprogramm "Miteinander - Füreinander" mit deutschen und bosnischen Kindern. Foto: Organisationsbüro

In welchen Arbeitsfeldern fand die 'Begegnung mit dem Fremden' statt?

Im Modellversuch wurden - bei aller Unterschiedlichkeit der Projekte - fünf übergreifende Arbeitsfelder erkennbar, in denen die Museen ihre "Begegnung mit dem Fremden" jeweils vermittelt haben. Dabei spielen die Unterschiede zwischen Museumsgattungen naturgemäß eine wichtige Rolle. Aber auch Museen gleicher Gattung sind bei ihrer Auseinandersetzung mit dem Thema "Fremdheit" oft ganz verschiedene, teilweise überraschende Wege gegangen. Solche Arbeitsfelder sind:

  • In der Beschäftigung mit eigener Kultur und Geschichte die "anderen Seiten" heraus arbeiten. Diese "anderen Seiten" sind: fremde Einflüsse, Kulturkontakte, Schicksale von Fremden und Minderheiten, sowie Brüche, Widersprüche und Verdrängtes in der eigenen Heimat- und Ortsgeschichte.
  • Fremde Kulturen näher kennen lernen. Projekte in diesem Arbeitsfeld beschäftigten sich mit fremden Kulturen in und außerhalb unseres Lebenskreises.
  • Die fremden Seiten moderner Kunst näher kennenlernen. In diesem Arbeitsfeld ging es darum, die Fremdheit von (moderner) Kunst als Medium einer konstruktiven Begegnung mit dem Fremden zu nutzen.
  • Hier lebenden ethnischen und kulturellen Minderheiten das Museum näher bringen.
  • Verständigung zwischen Ausländern und Deutschen, bzw. zwischen Ausländern untereinander fördern.

Ergebnisse in Stichworten

Zielgruppen: Der Modellversuch erreichte ein oft überraschend breites Spektrum an Zielgruppen, die sich keineswegs nur aus dem "typischen Museumspublikum" zusammen setzten. Das Thema "Fremdheit" mobilisiert also teilweise, je nach Projekt, auch neue Besucherschichten.

Themen: Entsprechend den unterschiedlichen Konzepten ("Arbeitsfeldern") wurde eine wirklich große Vielzahl von Themen angesprochen, wobei das Verständnis davon, was Thema des Modellversuchs sein kann oder sollte, teilweise sehr großzügig ausgelegt wurde. Oder anders formuliert: Es zeigte sich, daß in fast jedem Thema ein Aspekt von Fremdheit entdeckt werden kann.

Verständigung: Hier ergab sich eine wichtige, oft unterschätzte Erfahrung. Museumsprojekte, wie sie im Modellversuch realisiert wurden, enthalten außerordentlich und vielfältige Möglichkeiten zur Verständigung zwischen Menschen unterschiedlicher Kulturen. Das Museum erweist sich als einer der wenigen Orte, wo überhaupt solcher Austausch zwischen den Kulturen laufen kann.

Methoden: Ausgesprochen vielseitig, museumspädagogisch phantasievoll und teilweise innovativ waren die Methoden, die eingesetzt wurden. Hier erweist sich der Modellversuch als Fundgrube und Experimentierwerkstatt für zukünftige Ansätze integrativer und interkultureller Museumsarbeit. Für die meisten Museen war der Modellversuch daher auch eine Begegnung mit der Breite der Möglichkeiten museumspädagogischer Methoden.

Netzwerk: Viele der teilnehmenden Museen waren mit dem Anspruch angetreten, die "Begegnung mit dem Fremden" in einem Netzwerk (mit anderen Museen oder anderen Einrichtungen der Kommune) herzustellen. Dies erwies sich jedoch als schwierig und konnte nur teilweise realisiert werden.

Kooperation mit der Schule: Diese erwies sich als wichtig und unverzichtbar. Problematisch war allerdings, das - im Ansatz interdisziplinäre - Thema "Fremdheit" im Fächerkanon zu verankern. Aus diesem Grunde war das Echo an vielen Schulen nur gering: Viele Lehrer wußten nicht, wie sie die "Begegnung mit dem Fremden" im Unterricht unterbringen sollten.

Regional- und Heimatmuseen: Kleinere Regional- und Heimatmuseen haben gute und vielfältige Möglichkeiten, ein interkulturelles Thema ihrem Publikum zu erschliessen. Allerdings erwiesen sich die Kapazitäten und anderen Bedingungen vor Ort oft auch als Hindernis.Viel hängt hier an engagierten Personen.

 

Eine ausführliche Analyse der Praxis der Museen im Modellversuch finden Sie im folgenden Auszug aus dem Ergebnisbericht der wissenschaftlichen Begleitung
Auswertung der Projekte im Modellversuch
Arbeitsfelder interkultureller Museumsarbeit
Arbeitsfelder.doc
Microsoft Word Dokument 285.5 KB
Der Modellversuch belegte: Chance und Wirksamkeit von regionalen Museen gegenüber Fremdenfeindlichkeit liegen v.a. in ihrem Beitrag zur Veränderung des kulturellen Klimas vor Ort.Welche praktischen Konsequenzen ergeben sich daraus? Dazu ein kurzes Arbeitspapier aus dem Modellversuch.
Welche Folgerungen ergeben sich aus dem Modellversuch "Begegnung mit dem Fremden" ?
Arbeitspapier
Begegnung mit dem Fremden - Folgerungen
Microsoft Word Dokument 25.5 KB
Eines der wichtigsten Ergebnisse des Modellversuchs "Begegnung mit dem Fremden" sind die methodischen Erfahrungen, die dabei gemacht wurden. Diese Erfahrungen sind auch heute noch - über 10 Jahre nach Abschluss des Modllversuchs - für museumspädagogisch Aktive interessant und anregend. Wir haben daher die im Modellversuch eingesetzten Methoden, eine "Begegnung mit dem Fremden" herzustellen, in einer kurzen Dokumentation zusammen gefasst.
Methoden interkultureller Museumsarbeit
Erfahrungen mit den im Modellversuch eingesetzten Methoden und Aktivitäten für deutsche und ausländische Kinder/ Jugendliche
Methoden interkultureller Museumspaedago
Microsoft Word Dokument 73.0 KB
In den Gesprächen mit den Projektbeteiligten wurde - teilweise mit sehr unterschiedlicher Sichtweise - oft darauf eingegangen, was Museen gegen Fremdenfeindlichkeit tun können (und was nicht). Hier die Dokumentation der Stellungnahmen.
Stellungnahmen von Museumsmitarbeitern/innen, Besuchern/innen, Eltern und Mitgliedern von Arbeitsgemeinschaften und Initiativgruppen
Dokumentation
MuseenundFremdenfeindlichkeit.rtf
Text Dokument 52.7 KB

Unter dem Titel "Raus aus dem Kunstghetto.!" haben während der Laufzeit des Modellversuch Studierende der Karlsruher Hochschule für Gestaltung eigene Kiunstprojekte durchgeführt, die in einem weiteren Sinn eine 'Begegnung mit dem Fremden' vermitteln sollten. Zu diesem Teil des Modellversuchs liegt ein selbständiger Ergebnis- und Erfahrungsbericht vor. Autorin: Karoline Hille.

 

Foto: Installation 'Begegnung mit dem Fremden" im Reiss-Engelhorn - Museum , Mannheim (1996)

Raus aus dem Kunstghetto..!
Die Kunstprojekte von Studierenden der Karlsruher Hochschule für Gestaltung
Autorin: Karoline Hille
Kunstprojekte.rtf
Text Dokument 58.1 KB

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