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Evaluationen und Besucherbefragungen im Grenzlandmuseum Eichsfeld

Zum Museum

Das Grenzlandmuseum Eichsfeld, direkt am ehemaligen DDR-Grenzübergang Duderstadt - Worbis (zwischen Niedersachsen und Thüringen) gelegen, will dazu beitragen, daß die Geschichte der deutschen Teilung und der Grenze quer durch Deutschland nicht in Vergessenheit gerät. Das im November 1995 eröffnete Museum informiert mit zahlreichen originalen Exponaten und Außenanlagen über diese Geschichte der innerdeutschen Grenze und besonders über ihre Auswirkungen auf die Menschen und die Natur im Grenzgebiet. Ein "virtueller Rundgang" durch die Ausstellungen des Grenzlandmuseums findet sich auf der Seite "Überwundene Grenze" von Günther Krummel, der alle Grenzlandmuseen an der ehemaligen DDR - Grenze fotografisch dokumentiert hat.

 

(Foto: http://www.grenzerinnerungen.de/guest_duderstadt-worbis.htm)

Zur Erhebung

Foto: Eine nächtliche Aufnahme des ehemaligen Grenzübergangs Duderstadt - Worbis zu DDR - Zeiten. Heute befindet sich am Ort des Zoll-Abfertigungsgebäudes das Museum, ein Teil der Außenanlagen und des Grenzstreifens mit den militärischen Sicherungen (Zaun, Wachturm) sind erhalten. (Foto: DuderstadtOnline)

 

Die AfeB führte dort zwischen August und Oktober 1998 zwei Besucherbefragungen (Fragebogenerhebungen kombiniert mit qualitativen Interviews) durch, die das Publikumsprofil dieses viel besuchten Museums klären sollten. Dabei ging es um folgende Fragestellungen:

  • Wie setzt sich das Publikum des Grenzlandmuseums (GLM) derzeit zusammen? Welche Gruppen sind vertreten, welche Zielgruppen fehlen?
  • Wie unterscheidet sich das Publikum der Ferienzeit (August) von dem Publikum, das irn Herbst (Oktober) das Museum aufsucht?
  • Woher kommen die Besucherlinnen? Wie groß ist der Anteil von Personen aus der Region? Woher kommen Familien, SchülerlStudenten, Reisegruppen? Wieviel Besucherlinnen kommen aus den alten und den neuen Bundesländern?
  • Wie werden die Besucher durch die verschiedenen Werbe- und Ansprachemedien erreicht? Gibt es Unterschiede für bestimmte Gruppen?
  • Wie lange halten die Besucher sich in den Ausstellungen auf? Welche Faktoren beeinflussen die Aufenthaltsdauer?
  • Was erwarten sich die Besucherlinnen von einem Besuch irn GLM?
  • Was interessiert die Besucher vor allem? Welche Exponate werden länger angeschaut?
  • Wie haben ihnen die Ausstellungen gefallen?Welche Kritikpunkte gibt es?
  • Wie kommen die Besucher mit dem speziellen Ausstellungskonzept zurecht, zugleich den ehemaligen Grenzübergang (mit einem Stück ehern. Grenze) und Ausstellungen über Politik, Gesellschaft und Alltag in der ehern. DDR zu zeigen?
  • Wie wird der besondere regionale Schwerpunkt (Eichsfeld) wahrgenommen?
  • Wie wirken die Ausstellungen des GLM? Wieweit sind die Besucherlinnen bereit, sich mit den besonderen Problemen der deutschen Teilung und der Geschichte der ehern. DDR auseinander zu setzen?

Ergebnisse

Foto: Besucher/innen aus der ehemaligen DDR waren öft an den Exponaten über das Leben in der DDR stärker interessiert als an den Grenzanlagen. Hier: Fotos "Pioniergruß" (Quelle: picasaweb.google.com/.../9gX_0tUAgUAD-xq1h0W8FA)
  • Das Grenzlandmuseum ist tatsächlich ein Museum "für alle". Man trifft dort Personen aller Berufs- Bildungs- und Altersgruppen an. Lediglich Besucher/innen aus der Gruppe der unter 30Jährigen sind weniger vertreten. Die meisten Personen kommen in einer "Minigruppe" (Familie, Bekannte), Einzelbesucher/innen ohne Begleitung sind sehr selten.
  • Das Grenzlandmuseum ist ein ausgesprochenes "Freizeitmuseum". Bei schönem (Ausflugs)Wetter gibt es einen spürbaren Zustromm an touristischem Publikum. Insofern ähnelt das Grenzlandmuseum in seiner Besucherstruktur vielen Freilichtmuseen.
  • Das Grenzlandmuseum zieht viele Fernbesucher an, was seine überegionale Bedeutung unterstreicht. Allerdings gibt es auch einen beträchtlichen Anteil an Besucher/innen aus der weiteren Region, die das Grenzlandmuseum auf ihrem Ausflugsprogramm haben. Beiden Gruppen gemeinsam ist jedoch, daß sie den Museumsbesuch als Ausflugs- und Freizeitaktivität betrachten. Die Bereitschaft, sich intensiver mit historischen oder politischen Sachverhalten auseinander zu setzen, hält sich daher in engen Grenzen.
  • Das Publikum des Grenzlandmuseums setzt sich zu großen Teilen aus Bewohnern/innen der westlichen Bundesländer zusammen. Die Attraktivität und Bekanntheit in den neuen Bundesländern scheint erheblich (!) geringer zu sein. Werbebemühungen sollten daher v.a. in diese Richtung zielen.
  • Ein wichtiges Werbemedium ist das Museum selbst: Viele Autofahrer haben es bei der Durchfahrt (in den Harz oder nach Duderstadt/ Göttingen) am Strassenrand gesehen und sich spontan für einen Besuch entschieden. Diese Wirkung ließe sich noch verbessern, wenn zusätzlich einige gut vom Auto erkennbare Großexponate aufgestellt würden (z.B. ehemalige Abfertigungsanlagen).
  • Westdeutsche und ostdeutsche Besucher/innen haben spürbar unterschiedliche Interessenschwerpunkte: Während sich Besucher/inen aus den alten Bundesländern v.a. für die Grenzanlagen selbst interessierten, galt das Hauptinteresse der Besucher/innen aus den neuen Bundesländern oft den Exponaten aus dem ehemaligen DDR-Alltag (etwa: die Inszenierung eines HO - Ladens). Die Ausstellungen zum DDR-Alltag werden von den West-Besuchern/innen dagegen mit eher schwachem Interesse betrachtet. DDR-Geschichte und -Politik sind für viele Personen aus diesem Publikumssegment offenbar ein "Nicht-Thema".
  • Es zeigt sich, daß das Grenzlandmuseum ein ausgesprochen kommunikatives Museum ist: Fast alle Besucher/innen berichten, daß während des Besuchs ausführliche und engagierte Gespräche stattgefunden haben. Das hat aber u.a. zur Folge, daß die - ohnehin zu langen - Texte kaum oder nur sehr flüchtig zur Kenntnis genommen werden. Im Vordergrund steht die Besichtigung der Originalstücke, etwa in der Stasi-Telefonzentrale, dem Wachturm oder der Paßabfertigungsanlage.
  • Die Kombination der Ausstellung von ehemaligen Grenzanlagen und mit Ausstellungsteilen, die das Leben und die politischen Verhältnisse in der DDR behandeln, findet meist große Zustimmung. Diese Kombination ist ein Merkmal, das das Grenzlandmuseum von anderen Gedenkstättemn an der ehemaligen DDR- Grenze unterscheidet. In den Augen des Publikums sorgt diese Ausweitung des Ausstellungskonzepts dafür, daß das Grenzlandmuseum als "richtiges" Museum wahrgenommen wird, und nicht nur als Ort, an dem einige ehemalige Anlagen des Grenzübergangs erhalten wurden und besichtigt werden können.

Hinweise über Serviceleistungen der AfeB bei Nutzer- und Besucherbefragungen finden Sie hier.