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Evaluation Archäologisches Museum Bozen - Beratungsprojekt

"Ötzi", der Mann aus dem Eis

Seit über acht Jahren ist 'Ötzi', der Mann aus dem Eis, im Archäologischen Museum in Bozen zu besichtigen. Die Gletschermumie wurde vor rund fünfzehn Jahren im Gletschereis auf dem Similaun entdeckt. Nachdem die Mumie zuerst an der Universitätsklinik Innsbruck konserviert wurde, wurde alsbald aber klar war, dass 'Ötzi' ein "Südtiroler" ist. Daher wurde er vor sechs Jahren (1998) in das Bozener Archäologiemuseum verlegt. Im Schnitt besuchen seitdem rund 260.000 Personen jährlich das Museum. Insgesamt haben inzwischen über 1,3 Millionen den Ötzi gesehen. Eine Besucherbefragung hat gezeigt, dass das Publikum mehrheitlich aus Deutschland und dem übrigen Italien (außerhalb Südtirols) kommt. Aber es gibt auch eine wachsende Zahl an Besucher/innen aus Amerika und dem asiatischen Raum.

Aufgabe für Evaluation

Es liegt auf der Hand, dass diese enorme Steigerung der Attraktivität des Museums mit dem 'Ötzi' zusammen hängt. Dabei scheint die Tatsache, dass die Gletschermumie 'live', also im Original hinter Glas betrachtet werden kann, für besondere Aufmerksamkeit zu sorgen. Für das Museum sind damit jedoch einige Fragen verbunden, denen durch eine Evaluation und Besucherbefragung weiter nachgegangen werden sollte:

  • Was macht die Attraktivität des Ötzi tatsächlich aus - ist es lediglich die Sensation, die über 5000 Jahre alte Gletschermumie zu besichtigen? Oder stehen andere, tiefer gehende Interessen dahinter?
  • Kommen die vielen tausend Besucher/iinnen nur wegen des 'Ötzis' oder interessiert sie das übrige Museum auch, das Funde von der Steinzeit bis ins frühe Mittelalter hinein mit populären und attraktiven Ausstellungsmitteln zeigt?
  • Wie verteilt sich das Zeitbudget der Besucher/innen: Wie lange beschäftigen sie sich tatsächlich mit em 'Ötzi', wie lange mit den anderen Ausstellungen? Sind eindeutige Schwerpunkte erkennbar? Gibt es evtl. Unterschiede (nach Besuchssituation, Nationalität etc.)?
  • Geht es dem Publikum nur um die Gletschermumie, oder interssieren die vielen, z.T. ausgesprochen spektakulären (wenn auch optisch nicht hervorstechenden) Beifunde zum 'Ötzi' auch?
  • Schliesslich: Wieviel wollen die Besucher/innen tatsächlich über den 'Ötzi' und seine Epoche (frühe Kupferzeit) wissen? Interessiert nur die Fundgeschichte oder lassen sich auch allgemeinere archäologische Hintergründe vermitteln? Werden die zahlreichen Monitore und Info - Tafeln, die dies versuchen, tatsächlich genutzt?

Die Evaluationen und Besucherbefragungen wollte das Museum "mit Bordmitteln" durchführen. Die AfeB unterstützte das Museum dabei nach dem Modell der "externen Beratung">

Erhebungskonzept

In Abstimmung mit dem Museum wurden drei Erhebungsschwerpunkte entwickelt, die für die Ausgangsfragen relevante empirische Ergebnisse liefern und vom Museumsteam selbst relativ unaufwändig einzusetzen waren:

  • Kombinierte Erhebung von Nutzungszeiten und Publikumsstrukturen (Einsatz von 'Zeitzetteln').
  • Kompakt - Interviews mit dem Publikum nach dem Besuch der Ausstellung;
  • Indirekte Besucherbeobachtung im 'Ötzi - Stockwerk', die die Möglichkeiten der Sicherungs - Videokameras nutzt.
  • Besondere Aufmerksamkeit galt der schnellen Auswertung der Daten und dem direkten feed - back von Erhebungsergebnissen in die Arbeits- und Planungsprozesse des Museums.

 

Fotos oben: Lebendgrosse Rekonstruktion des 'Ötzi' in der Ausstellung des Museums (Foto: Archäologisches Museum Bozen); Foto unten: Außenansicht des Museums, das direkt in der historischen Altstadt von Bozen liegt und dadurch ein beliebter touristischer Anziehungspunkt geworden ist. Foyer und Infrastruktur sind oft dem Besucheransturm nicht gewachsen. (Foto: Paatsch)

Stichwort: Evaluation mit externer Beratung

Die Evaluation im Archäologischen Museum Bozen erfolgte nach einem von der AfeB entwickelten Modell, bei dem eine Besucheranalyse in Eigenregie, aber mit Unterstützung eines externen Experten durchgeführt wird. In diesem Fall werden das Erhebungskonzept und die notwendigen Methoden (Fragebögen etc.) nach Abstimmung mit dem Museum extern entwickelt und vorbereitet. Die eigentliche Erhebung erfolgt dann vor Ort durch das Museum selbst. Das heißt konkret: Die Einrichtung stellt das Erhebungspersonal. Die Auswertung und meist auch die Ergebnispräsentation werden wieder extern erledigt. Diese Lösung ist preisgünstiger (ab EUR 5.000,--) als eine komplette Vergabe des Projekts nach außen und ergibt - wenn die Kooperation entsprechend organisiert wird - gute und differenzierte Ergebnisse.

 

Hinweise zu den Serviceleistungen der AfeB bei Nutzer- und Besucherbefragungen
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